Weltbekannte Kopfbedeckung kommt aus Ecuador

Er ist ein Mythos und jeder hat von ihm schon gehört. Es schwingt ein Hauch von Karibik, Zigarrenqualm und Revolutions-Romantik mit, wenn man von dem edlen Strohhut spricht: dem Panamahut. Filme wie „Vom Winde verweht“ und Träger wie Al Capone und Winston Churchill haben ihn weltberühmt gemacht. Am bekanntesten ist die Fedora-Form: Ein feiner, eleganter manchmal fast weißer Strohhut mit dunklem Hutband, und kurzer, nach vorne leicht abfallender Krempe. Was aber die wenigsten wissen: Der Panamahut kommt eigentlich gar nicht aus Panama.

Ausschnitt aus der Reportage über den Panamahut
Panamahüte in einem Laden in Montecristi, Ecuador

Die Pflanze Paja Toquilla wächst nur unter der brennend heißen Äquatorsonne, in feuchten Gebieten wie dem „Ewigen Wald“ an der Küste Ecuadors. Es dürfen nur ganz bestimmte Triebe von neuen Blättern geschnitten werden, erzählt unser Pferde-Führer Marcello, als wir die ersten, fast 2 Meter langen Bündel gestapelt am Wegesrand liegen sehen:

Tradition in Gefahr

Die Geschichte dieser legendären Kopfbedeckung reicht mehrere tausend Jahre zurück. Doch die Tradition wird nur noch von wenigen professionellen Hutflechtern in Ecuador am Leben gehalten.

Kenner zahlen über tausend Dollar für einen Hut der Qualitätsstufe „Superfino“. Die teuersten Exemplare entstehen an der Küste in reiner Handarbeit: Es wird zu Hause geflochten und häufig nur ein Hut nach dem anderen hergestellt. Etwas erschwinglichere Hüte kommen zumeist aus Ecuadors Bergen. In Cuenca werden die meisten Panamahüte in Manufakturen hergestellt. In der Kooperative „Maria Auxiliadora“ haben sich mehrere Frauen zusammengeschlossen.

6 Monate muss ich arbeiten und verdiene circa 1200, 1400 Dollar“

Fidel Espinal Triviño, (53), Hutpflechter aus Pilé

Hut-Industrie in den Anden

In Cuenca und Umgebung gibt es eine regelrechte Hut-Industrie. Während einer Wirtschafts-Krise Anfang des 19. Jahrhundert siedelte man hier Weber an. Seitdem ist das Handwerk Bestandteil der Kultur und Cuenca der einzige Ort, in dem der Hut Teil der traditionellen Kleidung geworden ist.

Für einen Superfino, einen Feinsten der Feinen, flechten die Meister pro Hut meterweise Stroh so zart, dass sich das Material anfühlt wie gewebtes Leinen. Ein Kunstwerk, das seinen Preis hat. Nur eine Handvoll Flechter an der Küste ist überhaupt noch in der Lage, einen Fino, geschweige denn einen Superfino, einen „Superfeinen“ herzustellen.

Fidels Familie macht schon seit Generationen Hüte, er hat die Kunst von seiner Großmutter gelernt, die 101 Jahre alt geworden ist, die Erfahrung schlägt sich auch im Preis nieder: 1200 bis 1400 Dollar verdient er mit einem Hut. Das wirken auf den ersten Blick viel. Doch bei einem halben Jahr Arbeit bleiben tatsächlich nur rund 200 Dollar Monatslohn übrig. Der Mindestlohn liegt bei rund 400 Dollar pro Monat in Ecuador – auch wenn er oft nicht eingehalten wird.

Deshalb hat der Meister seines Faches, das nur noch wenige Menschen auf der Welt beherrschen Nebenjobs: Er geht noch auf dem Bau arbeiten und fische nebenbei. Denn es kommen nur selten Touristen, die diese Qualität bei ihm kaufen.

„Wenn die Panamahüte nicht besser bezahlt werden, überleben sie höchstens noch 50, 60 Jahre

Victor Chiluiza, ehemaliger Huthändler

Wäre das anders, wenn man den Panamahut unter dem Namen „Ecuadorhut“ kennen würde? Schwer zu sagen, aber warum heißt der Hut überhaupt wie ein Land, dass über 1000 Kilometer weiter nördlich liegt?
Dazu gibt es zwei Theorien. Als der Panamakanal gebaut wurde, hat man die leichten Hüte dahingeschickt, damit sie sich vor der Sonne schützen konnten. Aber natürlich hat damals keiner einen Stempel draufgedruckt, um zu zeigen, wo der Hut eigentlich herkommt. Wegen der vielen Fotos, unter anderem vom US-amerikanischen Präsidenten Roosvelt beim Besuch des Kanalbaus, setzte sich das Bild fest, der Hut käme aus Mittelamerika.

Beschneiden der Krempe in Cuena

„Wenn die Panamahüte nicht besser bezahlt werden, überleben sie höchstens noch 50, 60 Jahre und dann ist es aus,“ sagt Victor Chiluiza, ehemaliger Huthändler, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Paja Toquilla beschäftigt. „Weil das sind vielleicht jetzt die letzten Leute, die das noch machen wollen. Aber auf Dauer gibt es solche nicht mehr!“

Außerdem hatten die Kisten, mit denen die Ware in aller Welt ankam, immer den Stempel und die Papiere des Hafens von Panama, weil sie von dort verschickt wurden. Statt „Paja Toquilla“ blieb der eingängigere Name „Panama“ hängen und damit wurde ein anderes Land weltweit zum Inbegriff für die Qualitätshüte.