Zwischen Vulkankegeln, Indigenas und kolonialer Folklore

Quito, die Hauptstadt Ecuadors, liegt hoch in den Anden Südamerikas. Mit rund 3000 Metern über dem Meer ist sie die höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Eine Reise in eine Stadt die beides sein kann: kleines Dorf und internationale Großstadt.

Die Nationalgarde tritt auf. Zwischen Kathedrale und Präsidentenpalast haben sich Menschen aus ganz Ecuador versammelt. Die Reiterstaffel mit ihrer Militärkapelle nimmt ihre Formation ein. Sie tritt noch auf in den Originaluniformen von 1829: Knallbunt, fast verspielt: Mit turmhohem, blauem Tschako, auf dem handtellergroß das goldene Wappen Ecuadors

Jeden Montagmorgen: Fahnenhissen beim Wechsel der Wachmannschaft

Als eine der ersten Städte Lateinamerikas wurde Quito durch die Schlacht von Pichincha unabhängig von der spanischen Kolonialherrschaft. Noch heute wird jedem dieser Helden der späteren Einheit „Grenadiere von Tarqui“, namentlich gedacht.

„Diese Tradition gibt es schon seit vielen Jahrzehnten,“ sagt Johnnie Jorgge Alava. „Die Regierung nutzt die Wachablösung, um an die Schlachten und die getöteten Helden zu erinnern, die in den Befreiungskriegen gestorben sind. Die Grenadiere von Tarqui, die hier marschieren, haben einen großen Anteil an diesem Kampf gehabt, sie haben die Freiheit gegen die Spanische Krone erkämpft. Heute schützen sie den Präsidenten,“ so der 55jährige.

Die „Grenadiere von Tarqui“ sind die Leibwache des Präsidenten

helado de paila
An einer Straßenecke etwas außerhalb des Zentrums bietet eine Dame die Spezialität der Anden für heiße Tage an. Sie benötigt dafür nicht viel: eine Schüssel, eine Art Pfanne und einen Holzlöffel. „Hier haben wir Helado de Paila. Die Herstellung ist einfach: Hier in diese große Pfanne gibt man Eiswürfel mit Salzgranulat. Das hilft, dass das Eis auch bei niedrigen Temperaturen schmilzt. In die flache Pfanne stellt man dann eine tiefe Bronze-Schüssel und gibt ein wenig Fruchtsaft hinein. Dann rührt man es ständig, bis die Masse durch die Kälte selbst beginnt zu Eis zu werden. Die süße Fruchtmasse ist ganz natürlich, hat keine Farbstoffe und auch keine Konservierungsstoffe.“

Der Sirup ist aus Guanábana. Das ist eine große Frucht, fast so groß wie eine Wassermelone aber länglich und mit Stacheln. Sie wächst an der Küste Ecuadors. Man schneidet sie auf, entfernt die schwarzen Kerne aus dem weißen Fruchtfleisch und hächselt sie klein. In Wasser wird alles abgekocht. Am Ende wird es ein bisschen gesüßt und das ist allesder Sirup wird schnell in der Schüssel verrührt – fertig ist das Eis, das helado de paila.

“Die Regierung nutzt die Wachablösung, um an die Schlachten und die getöteten Helden zu erinnern

Johnnie Jorgge Alava (55)

Richtig erfassen kann man Quito nur von seinem Hausberg aus- dem Pichincha. Himmelhoch erhebt er sich über der Stadt, die Häuser schmiegen sich weit an seinen Flanken hoch. Hier beginnt auch der Gründungsmythos der Metropole: Einer Legende nach wurde Quito von Quitumbe, einem Indianerhäuptling, gegründet. Er überlebten mit seiner Lebensgefährtin Llira als einziger eine Sintflut, indem sie sich auf den Pichincha retteten. Nach dem Zurückweichen des Wassers wurden sie die Begründer des Stammes der Quitu.

Batailla de Pichincha
Die Schlacht von Pichincha, batailla de Pichincha, ist ein Kristallisationspunkt für das ecuadorianische Selbstverständnis. Mit der spanischen Niederlage gegen den heute hHeldenhaft verehrten Antonio José de Sucre den endete die Kolonialherrschaft Spaniens über das Gebiet des heutigen Ecuador. Sie war ein entscheidender Kampf zur Nationenwerdung. Allerdings einer von vielen in der wechselvollen Kolonial-Geschichte, die mit der Gründung der „Real Audiencia de Quito“ begann – ein Verwaltungsbereich der spanischen Krone. Er reichte damals von Peru im Süden bis nach Bogota im heutigen Kolumbien.

Freiheitsbewegung
Begonnen hatte die Freiheitsbewegung der südamerikanischen Kolonien schon früher. Schon 1809 wurde in Quito zum ersten Mal die Unabhängigkeit ausgerufen. Auch wenn schon ein Jahr später fast alle Beteiligten auf dem Schaffott der Spanier getötet wurden. Doch diese erste Ausrufung der Unabhängigkeit soll Simon Bolivar angespornt haben, seinen „Kampf bis zum Tode“ gegen die Spanische Vorherrschaft zu proklamieren. Es war ein leuchtendes Beispiel für ganz Südamerika und brachte Quito den Beinahmen „luz de America“ ein.

Nach dem militärischen Erfolg am Hang des Vulkanberges, gliederte Simon Bolivar das Gebiet schnell in sein Reich des Gran Colombia ein. Die Idee des großen Befreiers Bolivar, Südamerika zu vereinigen hielt jedoch nicht lange. Schon acht Jahre später sagte sich das ehemalige Real Audiecia vom Staatenverbund los und wurde somit nochmals unabhängig.
Als Überbleibsel haben die ehemals beteiligten Länder immer noch die gleichen Farben in ihren Fahnen: blau, gelb und rot.

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