Kolonialstadt und Weltkulturerbe in den Anden Ecuadors

Cuenca liegt hoch in den Anden und war einst das nördliche Zentrum des Inka-Reiches. Der Qhapaq Ñan, der berühmte „Inka-Trail“ führt noch heute mitten durch die Innenstadt und endet erst in Cusco in Peru, 1500 Kilometer südlich.
Die Stadt in den ecuadorianischen Bergen verfügt über drei Weltkulturerbe und zog schon immer die Menschen an: Die Ureinwohner, die Cañari, wurden von den Inkas verdrängt. Nach ihnen kamen die Spanier und heute sind es die Gringos, die die Stadt erobern. Es gibt einen regelrechten Rentner-Run aus den USA und Europa auf das charmante Kolonialstädtchen, rund 2500 Meter über der tropischen Tiefebene Ecuadors.

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Zentrum des Stadtlebens: Parque Abdón Calderon mit Neuer Kathedrale

Der kleine Parque Abdón Calderon ist Dreh- und Angelpunkt und Zentrum der Stadt. Hier treffen die wichtigsten Straßen zusammen und umfassen den quadratischen Platz. Das höchste Gericht, der Provinz-Gouverneur und der Bürgermeister haben hier ihren Sitz.
Und auch die Kirche, die in Ecuador manchmal mehr Gewicht hat als alle weltliche Macht zusammen, hat sich hier baulich verewigt. Es sind gleich zwei – eine Alte und eine Neue Kathedrale:

“Die größere der beiden mit den blauen Kuppeln ist die neue Kathedrale. Sie ist bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gebaut worden, also noch ziemlich neu,” erklärt Lehrerin Melissa Ampuero.

Lehrerin Melissa Ampuero zur Kathedrale


“Eigentlich ist sie noch nicht ganz fertig. Es sollten nämlich acht Kuppeln werden. Aber da haben sich die Konstrukteure verschätzt. Die Mauern können keine weiteren Kuppeln mehr tragen. Die vier fertiggestellten Kuppeln sieht man von überall. Sie sind das Symbol unserer Stadt.”

Es sollten acht Kuppeln werden. Aber da haben sich die Konstrukteure verschätzt”

Bis die blauen Türme weithin leuchtend das Stadtbild bestimmten, stand die alte Kathedrale im Zentrum. Die Stadt hat im 16. Jahrhundert furchtbare Schlachten gesehen: Zunächst bekämpften die ansässigen Cañari-Indianer erfolglos die von Süden einfallenden Inka. Als der Inka-König Atahualpa nach vielen blutigen Kämpfen schließlich die Herrschaft übernahm, dauerte sie nur wenige Jahrzehnte, bis die Spanier die Gegend eroberten und schon 1557 mit dem Bau der alten Kathedrale begannen – auf den Überresten der von ihnen zerstörten Kulturen: Noch heute sieht man an den Grundmauern als erste Schicht die recht unbearbeiteten Steine eines ehemaligen Cañari-Gebäudes. Schon die zweite Schicht zeigt deutlich mehr handwerkliche Fähigkeiten, hat sauberer gearbeitete Kanten und Ecken. Es sind die Überreste eines ehemaligen Inka-Palastes. Schließlich dann die geweißelten Wände der christlichen Erbauer. Heute ist die Alte Kathedrale ein Museum. Viele Veränderungen musste Cuenca über sich ergehen lassen, so Melissa Ampuero: “Cuenca ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt. Das macht die Stadt besonders, Wir haben unsere Identität nicht zerstört. In anderen Städten Ecuadors hingegen ist das Leben schneller, auch kosmopolitischer. Neuerungen vertreiben dort oft das Althergebrachte. Aber nicht in Cuenca. Hier liegt beides nah beieinander.”

Drei Kulturen in einer Kathedrale: untere Schicht Cañari, dann Inka und schließlich spanisch

Noch heute sind 80% der Bevölkerung streng gläubige Katholiken. Als die alte Kathedrale zu klein wurde, hat der in Württemberg geborene Architekt Stiehle kurzerhand die Neue gebaut.
All den Prunk und das Gewicht konnten die Mauern nicht tragen: Über der Rosette, die Notre Dame nachempfunden ist, zieht sich weithin sichtbar ein Riss bis hinauf zum Dach. Ein Zeichen für den Übermut der stolzen Cuencaner. So ist es vielleicht die einzige Kathedrale, die ihre Gläubigen nicht zur Messe rufen kann – auch Glocken waren zu schwer und hätten das Gotteshaus zum Einsturz gebracht. Die beiden Fronttürme sind bis heute ohne Dachabschluss – und die Kathedrale ohne Glocken…

Die beiden Kathedralen stehen auch für 2 Epochen der Stadt. Die alte, spanische, koloniale, zeigt Heilige noch als Weiße, blauäugige Personen, während die neue schon eine gewisse Emanzipation der Indigenas, der Ureinwohner erkennen lässt, so 24jährige Studentin Micaela Ortiz. “Hier oben sehen wir in den Fenstern schon Heilige, die Schwarz sind und auch das Sonnensymbol erkennen wir und den INTI hier, traurige Menschen, weil sie ihren eigentlichen Sonnengott verloren haben.”

Der Abdón Calderon trennt die beiden Gotteshäuser voneinander. Er ist, wie die gesamte Innenstadt, schachbrettartig angelegt. Jeder Block ist dabei rund 100 Meter lang.
In der Mitte das Denkmal für den jungen Helden Abdón Calderon, der mit 19 Jahren in den Befreiungskriegen starb. Die Schlacht am Vulkanberg Pichincha in Quito, rund 300 Kilometer nördlich, brachte Ecuador die Unabhängigkeit von der spanischen Besatzung.
An den heldenhaften jungen Fahnenträger und die Opfer des Befreiungskrieges erinnert das Denkmal, ringförmig umgeben von 8 riesigen Araukarien, die alle über 150 Jahre alt sind. Insgesamt sind über 800 verschiedene Pflanzenarten zu sehen.

Und man kann eine lokale Spezialität genießen. Die Zubereitung ist einfach: ein Eisblock wird geraspelt, bis er sich in weiße Flocken verwandelt. Das Ganze schaufelt der Eismann in einen hauchdünnen Plastik-Becher. Der bunte Zucker-Sirup verleiht eine intensive Farbe und einen ebenso intensiven Geschmack: “Hier haben wir hielo picado. Wir haben drei Farben und drei Menta, mora, fresa. Das kaufe ich in der farmacia.”

Früher war der Eisverkäufer anderweitig beschäftigt: “Ich war vorher auf dem Bau”, sagt er, “aber es war einfach zu wenig Arbeit da und deshalb verkaufe ich jetzt hier das Eis.”

Museo del Monasterio de las Conceptas

Schon vier Jahrzehnte nach Neugründung der Stadt siedelte sich ein Frauenkloster an, in das die Töchter der spanischen Eroberer eintreten konnten. 1599 kam der Orden „Monasterio de las Conceptas“ nach Cuenca. Das macht das langgestreckte, weiße Gebäude an der Calle Hermano Miguel, fünf Gehminuten vom Abdón Calderon zu einem der ältesten Kolonialbauten der Stadt. Besucht werden kann nur der Museumsteil, da noch fast 30 Nonnen hier hinter den dicken Wänden ein Leben fern der Welt fristen, erklärt Museumsführer Jonathan: “Diese Frauen haben ihr Leben der Ruhe, der Armut gewidmet… zurzeit leben hier 28 Frauen, die älteste 82 Jahre alt, die jüngste 22 Jahre alt. Sie verlassen das Kloster nie.”

Zurzeit leben hier 28 Frauen, die älteste 82 Jahre alt, die jüngste 22 Jahre alt.

Museumsführer Jonathan

Adobe war das typische Baumaterial der Kolonialzeit, das zurzeit eine kleine Renaissance erlebt, da es 100 Prozent aus natürlichen Materialien hergestellt wird und den klimatischen Bedingungen mit heißen Sonnentagen und kalten Anden-Nächten perfekt angepasst ist. Die Steine sind ungefähr handlang, rot und sehr leicht. Sie werden nicht in einem Ofen gebrannt, sondern lediglich getrocknet – die Äquator-Sonne ist dafür ausreichend.

Viele der Kolonialbauten sind Adobe gebaut. Die Fundamente allerdings sind oft aus massiven Steinen und reichen in die Zeit vor der spanischen Eroberung zurück: “Das Fundament, die Grundmauern viele Gebäude in der Stadt sind von den Inka oder noch älter von den Cañaris. Das ist ein Grund, warum wir den Titel der Weltkulturerbestätte bekommen haben, denn hier verbinden sich drei Kulturen: Die Canari, die Inka und die Spanier.”

Innerhalb des Museums kann man unter anderem die besonders blutigen Christus-Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert von Gaspar Sanguríma, der weder lesen noch schreiben konnte. Seine Eltern waren indigenas. Er benutzte echtes Blut für seine Arbeiten, erklärt Jonathan vor der rund 40 Zentimeter hohen Figur, die am Kreuz hängt.

Die Schule von Quito Gaspar Sanguríma kann zur „Schule von Quito“ gezählt werden, einer Kunstrichtung, die sich auf dem Gebiet der „königlichen Audienz von Quito“ entwickelt hat. So nannten die Spanier ihren kolonialen Verwaltungsbezirk. Er umfasst ganz Ecuador, Teile des südlichen Kolumbien und des heutigen Peru. Die Schule in Quito erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert und erlangte großes Ansehen in den anderen amerikanischen Kolonien und sogar am spanischen Hof in Madrid.

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